Viele Fragen, keine Antworten

 

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Viele Fragen, keine Antworten"I am probably not the only one who writes in order to remain faceless. Don’t ask me who I am, or tell me to stay the same: that is the bureaucratic morality."
Michael Foucault

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DADA und DALI-Award

Der Nachtisch

Die Mango ist perfekt aufgeschnitten aber sie hat die Gabeln vergessen. Ich schaue mich hilflos um. Sie grinst und ihre Augen funkeln. Das Kinn in die Hand gestützt, grinst sie mich an und beobachtet mich. Mir wird einen Moment lang warm. Dann streckt sie die Hand aus, nimmt geschickt eines der glitschigen Stücke auf und hält sie mir entgegen. Ich kann es nicht fassen. Sie will mich füttern. Sie nickt mich an und lächelt. Vorsichtig nähere ich mich ihrer Hand. Wie verwegen von ihr, wie vielversprechend. Ich erfasse das Stück Mango vorsichtig mit den Lippen und ziehe mich zurück, noch bevor meine Lippen auf ihre Finger treffen. Obwohl die Frucht meinen Hals kühlt, ist mein Mund trocken. Ich lehne mich zurück und nippe an meinem Wein. Sie zieht eine Augenbraue hoch und nimmt sich selber ein Stück. Offenbar erwartet sie nicht, dass ich sie ebenfalls füttere. Ich bin erleichtert. Ich will selbst zu einem Stück greifen aber sie schiebt meine Hand zur Seite und schüttelt leicht den Kopf. Wieder nähern sich ihre Finger meinen Lippen. Diesmal gelingt es mir nicht mich rechtzeitig zurückzuziehen und ihre Finge berühren nur kurz die Haut meines Mundes. Ein sanfter Schauer durchläuft mich. Ich sehe ihre Augen glitzern, sie ist sich ihres Sieges zu gewiss und von Minute zu Minute schwindet mein Widerstand. Noch einmal versuche ich nach den Mangoschnitzen zu greifen, diesmal hält sie kurz meine Hand fest und legt sie bestimmt auf den Tisch. Dabei streicht sie mit dem Daumen über meine Handinnenflächen. Die Berührung durchläuft mich vollständig, ich amte laut aus, und sie grinst wieder. Sie wirkt fast widerlich selbstsicher und ich überlege einen Moment, ob es nicht Zeit wäre mal auf Toilette zu gehen. Was ist schon passiert, wir waren im Theater gewesen und nun aßen wir zusammen, wenn ich es jetzt zur Toilette schaffte, würde ich es auch aus der Wohnung schaffen. Mitten in diese Überlegungen spüre ich das nächste Stück Mango an meinen Lippen, feuchte Süße füllt meinen Mund, das Aroma breitet sich in mir aus und dann spürte ich, wie ihre Finger sanft über meinen Mund streichen, sie erfühlt seine Form und ich verharre atemlos. Das spöttische Grinsen ist vollständig aus ihrem Gesicht gewichen und hat einer konzentrierten Ernsthaftigkeit Platz gemacht. Fast scheint es mir, als würden die Kerzen durch den atmosphärischen Umschwung im Raum stärker flackern. Ich höre mein Herz schlagen. Meine Lippen sind überempfindlich. Als ihre Finger sich zurückziehen, bedauere ich es. Dem nächsten Stück beuge ich mich entgegen, sauge es ein und ihre Fingerspitzen dringen zwischen meine Lippen. Lust schießt durch meinen Körper und ich sehe, nein, ich spüre ihre Reaktion darauf. Danach sitzen wir uns atemlos gegenüber. Das Aroma der Mango erfüllt den ganzen Raum. Ich spüre, wie sich langsam der Aufruhr in meinem Körper beruhigt. Doch nicht ganz, ein leises Flattern in der Magengegend und eine nichtalltägliche Schwingung meines Herzens bleiben zurück. Schließlich finde ich die Kraft aufzustehen. Meine Beine tragen mich besser, als ich befürchtet hatte. Ich beuge mich weit vor zu ihr. Leise sage ich zu ihr: Morgen, ja, morgen Abend werde ich für dich kochen. Danach erhebe ich mich, greife nach meiner Tasche und verlasse die kerzenerleuchtete Wohnung.

28.11.05 18:01
 





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