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Viele Fragen, keine Antworten"I am probably not the only one who writes in order to remain faceless. Don’t ask me who I am, or tell me to stay the same: that is the bureaucratic morality."
Michael Foucault

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Keine Zielgruppe

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This work is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial 2.0 Germany License.










Schmiermittel

Die aktuellen Beitr?ge unserer politischen Elite zu menschlichen Parasiten, bringt mich wieder auf ein Thema zur?ck, welches ich vor einigen Wochen anfing. Meine ?berlegungen sind im Moment vorl?ufig und ich werde dieses Thema weiter aufgreifen.

Es gibt Gef?hle, die so stark und m?chtig sind, dass sie verschwiegen werden. In unseren prim?r narzisstischen Zeiten sind dies vor allem Schamgef?hle. Ich will hier nicht von einer Scham sprechen, die als nat?rliches Gef?hl, die eigenen Grenzen und M?glichkeiten mitbestimmt. Vielmehr geht es um die Scham, die aufkommt, wenn man gedem?tigt, verlacht oder verachtet wird. Mit Scham aufs engste verbunden ist immer die Verachtung. Wenn die eigene Person keine Rolle spielt, wenn die Umwelt kalt und unemphatisch auf die ?nat?rlichen? Bed?rfnisse einer Person reagiert. Das beginnt schon im kleinen. Der kleine Junge, der sich vor etwas f?rchtet, dem gesagt wird, dass er keine Angst zu haben braucht, vielmehr keine Angst haben soll, weil dies unm?nnlich ist, er sei doch schon ein kleiner Mann. Die Aufwertung als kleiner Mann geht einher mit der Abwertung der kindlichen Gef?hle und erzeugt auf Dauer, wenn kein anderer Weg m?glich ist, Schamgef?hle ?ber die eigenen Gef?hle. Schamangst nennen es die Experten, wenn das eigene Schamgef?hl so tief vergraben wird, dass es angstausl?send ist, sie zu zulassen.

Ich nehme meinen Gedankengang von weiter unten wieder auf.

Aber wieso funktioniert das? Diese Frage stelle ich mir immer wieder. Wieso lassen sich die Menschen die Errungenschaften einer sozialen Marktwirtschaft wegnehmen, statt sich daf?r einzusetzen, dass die Welt sozialer, fairer, letztlich gerechter wird? Woher kommt bei einigen die Ansicht, dass unsoziale, den Menschen auf ein marktwirtschaftlich auswertbare Zahl reduzierenden Wirtschaftssysteme, die einzige Antwort auf die Krise genau dieser Systeme sind? Wieso werden weiterhin Ressourcen vernichtet? Wo doch f?r alle genug da ist?

Zun?chst ein notwendiger Nachtrag. Ich habe weiter unten von dem ?Progaganda-Ruf nach Individualismus? gesprochen und bin von mo auf die unscharfe, wenn nicht gar unsachgem??e Verwendung des Begriffs hingewiesen worden. Aber die Propaganda spricht in diesem Zusammenhang nicht von Vereinzelung, sondern von Individualismus oder Entwicklung des pers?nlichen Stils. Insofern ist es korrekt in diesem Zusammenhang ?vom Propaganda-Ruf nach Individualismus? als Paraphrase f?r Vereinzelung zu sprechen.

?Es alleine schaffen m?ssen? ist tats?chlich ein Sinnbild der Vereinzelung, dass dem in diesem System Funktionsf?higen mit ?style, outfit und der besitz von (meist noch ?berfl?ssigen bis sch?dlichen) dingen ? belohnt. Ich beobachte immer wieder, dass die Funktionsf?higen, gerne auch die Erfolgreichen genannt, von diesen Belohnungen nie genug bekommen. Vielmehr ein Mangel beklagt wird. Erstaunt reibt man sich die Augen. Wie kommt das? Wo das Wenige oder auch die Verwaltung des Mangels bei vielen anderen, ausreicht, bzw. ausreichen muss?
Eine Antwort ist, dass diese systemimmanent Funktionierenden wenig mehr haben als ihr Auskommen und Geld, egal wie viel, kann die Angst davor auf der Seite der anderen, der Funktionsunf?higen, Irrelevanten zu enden, nicht beruhigen. Das Auskommen tritt, wie ein Suchtstoff, an die L?cken in der Seele und verdeckt die innere Wertlosigkeit. Es wird gesagt, dies und das st?rke das Selbstwertgef?hl. ?Tun sie was f?r sich, kaufen Sie...?, gebetsm?hlenartig wird vorgegaukelt durch Kauf k?nne der eigene Wert erh?ht werden. Das einzige was dadurch erh?ht wird, ist der Warenstrom und sind im Zweifel dank guter Verkaufszahlen die Aktienkurse.

Sozialpolitik und Wirtschaft tun jedoch noch immer so, als w?rden sie auf Wechselbeziehungen aufbauen, die auf Arbeit gegr?ndet sind. Diese ist aber nicht mehr vorhanden ? und die so entstandene Diskrepanz hat unerbittliche Auswirkungen. Die Opfer dieses Verschwindens, die Besch?ftigungslosen, werden nach denselben Kriterien behandelt und beurteilt wie zu der Zeit, als es Besch?ftigung in H?lle und F?lle gab. Bei ihnen werden Schuldgef?hle geweckt: Sie f?hlen sich schuldig and der Tatsache, der Arbeit beraubt, um sie betrogen worden zu sein; sie werden von tr?gerischen Versprechen eingelullt, die den schon bald wieder aufbl?henden fr?heren Reichtum an Arbeit prophezeien und verk?nden, die von widrigen Umst?nden hart bedr?ngte Konjunktur sei bald wieder in Ordnung.
Schlie?lich vollzieht sich die unbarmherzige passive Verdr?ngung einer unermesslichen und dazu unaufh?rlich anwachsenden Zahl der ?Arbeitssuchenden? ab den Rand der Gesellschaft, die ironischerweise gerade durch die Tatsache, da? sie zu ?Arbeitssuchenden? geworden sind, einer Norm unserer Zeit entsprechen: einer Norm, die man als solche nicht akzeptieren will. Selbst die Ausgeschlossenen wollen sie nicht wahrhaben, so da? sie sich als erste als unvereinbar mit einer Gesellschaft erweisen, deren ganz nat?rliches Ergebnis sie doch sind. Sie werden dazu gebracht, sich als der Gesellschaft unw?rdig zu betrachten, vor allem aber als verantwortlich f?r ihre Situation, die sie als erniedrigend und sogar verwerflich ansehen. So beschuldigen sie sich selbst einer Sache, deren Opfer sie doch sind. Sie urteilen ?ber sich mit dem Blick derer, die ?ber sie urteilen ? ein Blick, die sie ?bernehmen , der sie als schuldig betrachtet und der dazu f?hrt, da? sie sich fragen, welche Unf?higkeit, welcher Hand zum Scheitern, welcher b?se Wille, welche Irrt?mer sie in diesen Zustand haben geraten lassen.
(Viviane Forrester 1997)


Scham ?ber das eigene Versagen l?sst uns selbst mit den Augen der anderen, oder eines verinnerlichen Wertesystems, dass als feindselig zu bezeichnen ist, betrachten und damit erkennen wir dieses System an. Wir stimmen mit dem System zu, statt ihm zu widersprechen.
Der Anblick von Scham l?sst die Menschen wegsehen. Sie wenden ihren Blick, um nicht dem ins Auge schauen zu m?ssen, dem sie selbst nur massive Verdr?ngung entgegengesetzt haben.

Es ist also die (Selbst)verachtung und Scham ?ber das Versagen, das m?gliche Versagen und die Versager in einem System, dass ein Versagen unvermeidlich macht und gleichzeitig tabuisiert. Scham f?hrt zu R?ckzug, sich verstecken wollen, Hilflosigkeit, Angst, Wertlosigkeitsgef?hlen, dazu sich weder lebens- noch liebenswert zu empfinden. Die Verachtung der scheinbaren Gewinner ist die Kehrseite und verdeckt die eigene Angst im Club der Narzissten ins Hintertreffen zu geraten.
Denn, Scham ist nicht nur schwer zu ertragen, wenn wir sie selbst erleben, sondern
Scham ist ansteckend. Sie ist so schmerzhaft, da? der Zeuge von Scham wegschaut? (Block-Lewis, 1987 zitiert nach Aalberse 1998)
Deswegen lassen sich die Gruppen auch so leicht aufeinander hetzen. Die einen sch?men sich ?ber ihre vermeintliche Schuld am Versagen im aktuellen System und die anderen verachten die, die ja selbst Schuld sind, an ihrem Versagen. Und diese selbst meinen versagt zu haben, noch erfolgreicher zu sein.
Scham und Verachtung sind das Schmier?l f?r die Massen der scheinbaren Gewinner und tats?chlichen Verlierer in unserer Zeit.
23.10.05 00:51
 





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